Frauen und Erfolg

8. Podiumsdiskussion "Frauen & Erfolg, wie geht's?"

Stolz darauf, den eigenen Weg gegangen zu sein-so definieren Frauen Erfolg

Vor mutig bunten Leinwänden in Indigo und Purpur sitzen vier Frauen - sie haben sich schön gemacht, wirken souverän, scheinen innerlich zu leuchten. Ein klein wenig Aufregung knistert in der Luft, denn gleich beginnt die Veranstaltung: Bereits zum 8. Mal hat Konstanze Schneider, die Vierte auf dem Podium, mit ihrem Netzwerk „Frauen für Offenbach" zur Podiumsdiskussion „Frauen und Erfolg - wie geht's?" eingeladen. Um die sechzig interessierte Frauen und ein paar mutige Männer sind gekommen, um die Diskussion zwischen Dr. Inez Florschütz (Direktorin des Deutschen Ledermuseums in Offenbach), Annette Hahn (Betreibern der Lady Lounge, Fitness- und Gesundheitsstudios für Frauen) und Heike Muzel (Projektmanagerin Unternehmensentwicklung bei der Allianz Gruppe) zu erleben.

Es sind drei Frauen, die erfolgreich sind und gleichzeitig mitten im Leben stehen. Annette Hahn beschreibt sich als Offebacher Mädche, das sich nach einer kaufmännischen Ausbildung mit ihrem Studio die Arbeitsumgebung geschaffen hat, die sie glücklich macht. Die Neu-Offenbacherin Inez Florschütz hat nach Stationen in den Museumslandschaften Nürnberg und München hinter sich und packt nun mit dem Ledermuseum ein Offenbacher Heiligtum beim Schopf. Heike Muzel hat sich nach einer ursprünglichen Ausbildung als Übersetzerin in der männerdominierten Arbeitswelt des internationalen Projektmanagements Raum geschaffen.

Aus ihren Erzählungen über den eigenen Werdegang wird deutlich, dass die aktuelle Position nicht direkt geplant war, es aber Entscheidungen gab, wo jede der drei Frauen die Situation erkannt und beherzt zugegriffen hat. Annette Hahn hat mit dem Frauenfitnessstudio vor Jahren eine Marktlücke aufgetan, Inez Florschütz gelang es bereits während ihres Studiums der Geschichte und Germanistik in der Museumslandschaft Fuß zu fassen und Heike Muzel hat durchaus den Arbeitgeber gewechselt, wenn es nicht mehr vorwärts ging.

Nun sind die drei Frauen also da, wo sie hinwollten, aber wie verhalten sie sich in ihren Positionen? Was zeichnet weiblichen Führungsstil aus? So eine zentrale Frage, die Konstanze Schneider den dreien anschließend stellt: Die einigermaßen verblüffende Antwort oder, die erste wichtige Eigenschaft, die eine weibliche Führungskraft ausmacht, ist danach das Zuhören können. Das ist ein guter Anfang, reicht Konstanze Schneider aber nicht. Wie gehen sie mit schwierigen Situationen im Team um? Bei den Antworten auf diese Frage wird deutlich, was gemeint ist. Frauen wollen wissen, warum etwas schief gegangen ist und was dazu geführt hat. Ein Fehler wird nicht so sehr an der Person festgemacht, sondern mehr an den Umständen, die dann geändert werden müssen. Konstanze Schneider fragt weiter, warum in Deutschland noch immer so wenig Frauen in Führungspositionen seien und zitiert einige Zahlen, die zugegebenermaßen erschreckend sind. Danach beträgt der Frauenanteil im Top- Management in Deutschland nur rund 12 %. Der erste Grund, den Heike Muzel nennt, ist tatsächlich immer noch der alte: Als ihr früherer Arbeitgeber, eine schwedische Firma von einer deutschen übernommen wurde, beschied man ihr lakonisch: Mit Kind sind sie ja behindert. Da war es für sie klar, dass sie sich einen moderneren Arbeitgeber suchen musste. Inzwischen hat sich sicherlich einiges getan und es gibt in großen Firmen unterschiedlichste Teilzeitmodelle - auch für Väter. Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht in die Teilzeitfalle gerät - und na ja, die Top-Führungsebene bleibt immer noch eher verschlossen, wenn man als Frau Familie hat. Der andere wichtige Grund für die genannten Zahlen liegt eher in der Sozialisation der Frauen, die sich glücklicherweise, wie auch das strenge Rollenverhalten ändert. Frauen müssen sich etwas zutrauen und zugreifen, wenn sich eine Chance bietet. Dazu gehört natürlich eine gute Portion Selbstsicherheit, die durch Förderer und Mentoren aufgebaut wird.

Was aber bedeutet eigentlich Erfolg? Hier kommen Werte in die Diskussion, wie Freude über ein gelungenes Projekt, Glück durch eine erfüllte Tätigkeit und Stolz, darüber, dass man seinen Weg gegangen ist. Der Erfolg von Frauen macht sich demnach nicht so sehr an Zahlen fest, die natürlich auch stimmen müssen. Frauen haben, wie im Gespräch herauskommt, aber auch die Eigenschaft, sich auf veränderte Lebensumstände einzustellen - und es trotzdem zu schaffen.

Zum Ende der Diskussion hat jede der Damen noch einen Wunsch frei, wenn das nötige Kleingeldvorhanden wäre: Annette Hahn würde einfach weitermachen wie bisher, weil ihr die aktuelle Tätigkeit sehr viel Spaß macht. Inez Florschütz möchte in jedem Fall eine kreative Tätigkeit ausüben und Heike Muzel würde sich gern in der Ausbildung engagieren. Auf eine letzte Frage zur Offenbacher Zukunft sind sich alle einig, dass die Stadt sehr lebendig ist und hier viel passiert. Sie wünschen sich, dass es so weitergeht.

Im Anschluss an die offizielle Podiumsdiskussion gibt es regen Austausch bei Wein und Knabbereien im eindrucksvollen Raum des Offenbacher Kunstvereins, den die Kunstinteressierten im freundlichen Einvernehmen mit dem Center-Management des KOMM zu guten Bedingungen nutzen dürfen. Im Gespräch findet sich noch Zeit, die derzeitige Ausstellung der Künstlergruppe Bunte Armee Fraktion (BAF) zum Thema Licht und Farbe anzuschauen. (Diese ist auch über die Luminale-Woche noch zu sehen). Die Podiumsdiskussion „Frauen und Erfolg" findet jedes Jahr im Rahmen der Frauenwoche um den Weltfrauentag statt. Wir dürfen auf die erfolgreichen Frauen des nächsten Jahres gespannt sein - und Männer sind herzlich eingeladen.

Text: Ingrid Walter

Vorherige Veranstaltungen:

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7. Erfolg

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6. Erfolg

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Erfolg 5

 

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Erfolg³

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2. Erfolg

2008

Erfolg